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G.fast-Technologie nimmt langsam Fahrt auf

Fiber optic cable running above ground in the British Countryside

Der neue Übertragungsstandard G.fast ermöglicht die schnellere Versorgung mit Breitband-Internet auf den letzten Metern bis zum Anwender auch über Kupfer statt Glasfaser. Allerdings dauert die Aufrüstung der Netze noch an, und auch auf Kundenseite fehlen für Businessnutzer geeignete Produkte.

Nur wenige Unternehmen kommen ohne digitale Unterstützung zurecht. Immer häufiger digitalisieren Unternehmen nämlich nicht nur Dienste wie E-Mail oder Kalender, sondern ebenso ihre Kernprozesse und verlagern diese in die Cloud. Für Breitbandinternet besteht also nicht mehr nur ein Bedarf auf Privatkundenseite für Internet-TV, Netflix und Co. Swisscom und diverse Stadtwerke bauen deshalb Glasfasernetze. Allerdings relativiert sich die Angelegenheit bei näherem Hinsehen.

Von Glasfaser bis ins Gebäude (Fibre to the Building) oder ins Büro und die Wohnung (Fibre to the Home) mit Geschwindigkeiten von bis zu 1  Gbit/s Down-/Upstream profitieren derzeit vor allem Kunden von Swisscom in Neubaugebieten oder Kunden von grösseren Stadtwerken. Ausserhalb der grossen Städte bauen hingegen nur wenige, vor allem vermögende Gemeinden, ihre Netze mit Glasfaser aus. Hier ist es meistens Swisscom, die deren Netz aufrüstet, allerdings oft nicht ganz bis zum Anwender. Alle anderen Anwender sind noch auf DSL-Netze angewiesen, die mit der VDSL2-Technologie (ITU-T G.993.2, max. 100/20Mbps) ausgestattet sind.

Markt spielt (noch) nicht

Höhere Geschwindigkeiten auf der letzten Strecke von der Strasse (FTTS, Fibre to the Street) auf dem Kupferkabel bis zum Kunden verspricht sich deshalb Swisscom vom neuen Übertragungsstandard G.fast (ITU-T G.9700 und G.9701, bis 1Gbps möglich). Das Unternehmen baut nach einer Pilotphase seit September 2016 beim FTTS-Ausbau entsprechende G.fast-taugliche Hardware ein oder rüstet bestehende mit Firmware-Updates auf. Allerdings dürfte es noch etwas dauern, bis die Mehrheit der Kunden davon profitieren wird: Dem Anbieter zufolge werden nämlich (erst) 2020 85 Prozent aller Schweizer Haushalte und Geschäfte auf die eine oder andere Weise mit Breitband-Festnetz ausgerüstet sein.

Dass es noch etwas Zeit braucht, bis G.fast Fahrt aufnimmt, zeigt auch unsere Erfahrung. Lediglich etwa 1 Prozent unserer Kunden verfügen aktuell über einen G.fast-tauglichen Anschluss. Entsprechend klein ist deshalb auch die Nachfrage nach dem Dienst. Wer nun aber dennoch G.fast nutzen kann und möchte, muss eine Einschränkung hinnehmen: Es gibt nämlich ausser den Upgrade-Kits von Swisscom und der AVM Fritzbox 7582 derzeit noch wenige andere Produkte am Markt, die diese Technologie bereits unterstützen. Dies mag für Privatkunden ausreichen, ist aber für Geschäftskunden ärgerlich, benötigen diese doch aufgrund ihrer eigenen Firewalls eigentlich Bridges. iWay erstellte deshalb ein Profil für die Fritzbox, das den Einsatz als Bridge ermöglicht. Mit dieser Notlösung wird hier aber eigentlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

G.fast Ausbau schreitet voran

Selbst wenn aber zurzeit die Möglichkeiten für Unternehmen noch begrenzt sind und der Markt noch nicht wirklich spielt, dürfte sich dies schon bald ändern. In den letzten Monaten machte nämlich Swisscom mit der G.fast-Umrüstung merklich vorwärts. Man darf deshalb davon ausgehen, dass der Standard bereits Ende dieses Jahres für einen deutlichen zweistelligen Prozentsatz der Kunden zur Verfügung steht. Damit dürfte in absehbarer Zeit auch das Ingenieur-Unternehmen oder Architekturbüro auf dem Land, der Grafiker oder der fortschrittliche Schreiner im Dorf über die nötigen Bandbreiten verfügen, um problemlos Baupläne und andere grossen Datenmengen zu versenden, zu empfangen oder in der Cloud zu teilen. Sinkende Preise und die entsprechende Bewerbung der Produkte werden der Technologie weiter Auftrieb verleihen.

Erschienen in der Netzwoche Ausgabe 07/2018, www.netzwoche.ch

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